The key – terramusica Weihnachtsbetrachtungen 1

Wer von euch hat nicht schon mal am Lagerfeuer gesessen und innerlich geflucht weil er einen Lieblingssong nicht auf der Gitarre begleiten konnte, sei es weil er nicht im Liederbuch stand, sei es weil die Taschenlampe versagte?
Wer hat sich schon mal gefragt, ob hinter den Akkordfolgen der populären Songs nicht irgendeine Logik steckt, die einmal begriffen, ihn möglicherweise befähigen könnte alle möglichen Songs aus- wendig nach dem Gehör zu begleiten?
Wer hat schon mal an besonders schönen Stellen im Lied Akkorde entdeckt die aus dem gewohnten Rahmen zu purzeln scheinen und sich gefragt wie sie zu Stande kommen?
Wer hat sich schonmal gefragt warum manche Akkordfolgen eher rockig, andere, eher poptypisch oder bluesig klingen?
Wer hat sich schonmal darüber gewundert, das die scheinbar einfachen Akkordfolgen in Rocksongs etwa der Stones oder Nirvana doch so wenig mit der klassischen Kadenz zu tun haben, die der Leh- rer in der Schule immer als die Akkordfolge schlechthin pries?
Wer wollte schon einmal einen eigenen Song komponieren und fühlte sich auf der Suche nach geeig- netem harmonischen Material etwas verloren?

All diesen Fragen möchte dieses Buch auf die Spur kommen. Es stellt alle gängigen Harmonischen Bausteine vor und beleuchtet sie auf dem Hintergrund der musikalischen Entwicklungen der Po- pularmusik. Dabei wird auf eine Darstellung in klassischer Notenschrift vollständig verzichtet. Das Verständnis dieser Musik setzt keinerlei Notenkenntnisse voraus.

Ausserdem werden einige bedeutende Songs in genauen Analysen unter die Lupe genommen. Es werden dabei nicht nur die Akkorfolgen, sondern auch die Bedeutung von Melodieverläufen und Textbeziehungen, sowie die Entstehungsgeschichte der Songs beleuchtet. Das Buch dient nicht nur als Leitfaden zur musikalischen Analyse, sondern möchte eine vergnügliche Lektüre für jeden mu- sikbegeisterten Menschen sein.

Sollte es während der Lektüre hier und da vorkommen, dass theoretische Erwägungen zu kompli- ziert erscheinen, lass Dich nicht entmutigen, lies einfach weiter.

Um einem harmonischen Bauplan auf die Spur zu kommen, reicht es nicht aus die normalen Ak- kordbezeichnungen (C F G7 …) zu betrachten. Die Gemeinsamkeiten der musikalischen Strukturen werden erst deutlich, wenn man
1.alle Songs vom gleichen Grundton aus betrachtet

2.die Akkordfolgen als harmonische Funktionen begreift
Damit meine ich die musikalische Wirkung von Harmonien, die entweder als eine Art Heimathafen, oder auch als Strebeklänge wahrgenommen werden die sich zu anderen Harmonien hin entwickeln wollen. Deswegen werden im Buch nur vereinzelt die herkömmlichen Akkordbezeichnungen auftau- chen. Ich benutze zur Darstellung die Stufenfunktionen. I II III IV … ect
Das mag zunächst gewöhnungsbedürftig sein, um der Sache aber auf den Grund zu gehen, und die oben gestellten Fragen zu beantworten ist es unumgänglich. Diese Darstellung hat überdies den riesigen Vorteil, daß man auf diese Weise alle Songs auch problemlos in jede gewünschte Tonart transponieren Kann.
Ausserdem werde ich mit ganz wenigen Akkorden beginnen und Stück für Stück weitere hinzufügen, so daß man sich langsam an die neue Lesart gewöhnen kann. Die beigefügten Tafeln ermöglichen es überdies, die Funktionen sehr leicht Akkorden zuzuordnen und den harmonischen Zusammenhang übersichtlich zu erfassen.
Akkorde allein machen die Musik nicht aus. Ganz wichtig ist es die Melodien in die Betrachtung mit- einzubeziehen. Die Beziehung der Melodietöne zu den Harmonien werden als Intervalle angegeben. Hierzu benutze ich die arabischen Zahlen 1 2 3 4 etc. auch hieran wirst Du dich schnell gewöhnen. Also los! Gehen wir auf die Suche nach den Harmonischen Schlüsseln der Popularmusik, auf eine Reise die uns die Entwicklungen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den vielen Stilistiken unserer Lieblingsmusik aufzeigen wird. Have Fun!