Akkord Loops

Akkordloops (Turnarounds)

Gerade in der improvisierten Musik und bei Fetenhits ist man immer auf der Suche nach gut klingenden Kurzformeln, die Basis für Improvisationen sein können ohne dass man sich um eine Songform kümmern muß. Diese Kurzformeln, und es gibt eine Menge davon, nenne ich Akkordloops. Sie können stundenlang im Kreis laufen, während man einfach abrockt. Wich- tig dabei ist, dass sie so gestrickt sind, dass man es möglich nicht merkt, wenn man immer dasselbe im Kreis spielt.

Das ist gar nicht so einfach, man will ja nicht alle 4 Takte die Leute merken lassen, dass man schon wieder zu Hause ist. Genau das ist aber bei der klassischen Kadenz der Fall, man bewegt sich von der I (Tonika), dem tonalen Zentrum, hin zur IV(Subdominante) hin zur V(Dominante) um von ihr aus mit wichtige Leittonschritten wieder bei der Tonika anzukom- men. Dabei ist die I Start- und Zielpunkt, und somit 1. auf der Schwerzeit im harmonischen Rhythus und darüber hinaus auch noch doppelt so lange zu hören wenn man im Kreis spielt. Das wird also schnell langweilig. Schon kleine Umstellungen können aber schnell Abhilfe schaffen, ich stelle schon mal drei vor.

I-IV-V-V

La Bamba 3 1 / – / b7
Twist and shout
Like a rolling stone chorus Lick
Leaving on a Jetplane … I hate to wake you up to say goodby

Na, erstaunliche Wirkung oder? Die gleichen Akkorde, die gleiche Reihenfolge, noch nicht mal der IV-V Trick wird angewendet. Nur der letzte Akkord wird nicht als I gespielt, sondern die V wird wiederholt. Schon kann man hippe Hits kreieren, wenn man die Akkordfolge nur im Kreis laufen lässt. Was hat diese Veränderung hervorgebracht? Die Akkorde sind anders gewichtet! Die V bekommt viel mehr Bedeutung, die I steht zwar weiterhin am Anfang, wird aber im Kreisel eher als Durchgangsakord wahrgenommen. Das gibt der alten Kadenz einen ganz anderen Charakter, so funktioniert sie in neuem Gesicht als Akkordloop.

I-IV-I-V

Der Kwela Loop!
Kwela, auch Pennywhistle-Jive, ist die Bezeichnung einer jazzorientierten südafrikanischen Musik aus den 1950er Jahren. Charakteristisch ist die Verwendung der Blechflöte (Penny- whistle) als Melodieinstrument.
Inspiriert durch Musiker wie Lester Young, Count Basie und anderen Musikern der Swing-Ära entstand in den Townships Südafrikas in den 1950er Jahren die Kwela-Musik. Sie beruht auf dem Marabi Sound und hat einen fröhlichen Charakter. Kwela ist geprägt von einem ra- schen, vorandrängenden Rhythmus. Trotz des nordamerikanischen Einflusses ist der Kwela nach einer Analyse von dem Musikethnologen Gerhard Kubik „erstaunlich reich an afrika- nischen Elementen“. Dabei sind die Themen der Stücke meist auf kurzen Ablaufformen, zwei- bis viertaktigen melodischen Motiven, aufgebaut, wie sie aus der traditionellen Musik Afrikas bekannt sind. Blue Notes kommen in zahlreichen Kwela-Stücken vor.
Kwela wurde auf den Straßen Südafrikas zumeist in einer Skiffelband-Besetzung gespielt: ein bis drei Pennywhistles, speziellen Metallblockflöten der deutschen Firma Hohner, ein aus einer Teekiste gebauter einsaitiger Bass, einer Gitarre und einer Rassel, zum Beispiel einer mit Kirschkernen gefüllten Flasche. Diese Musik war in den 1950er Jahren sehr be- liebt, es wurde mit schwingenden Bewegungen zu ihr getanzt.
Afrikanische Jazzmusiker nahmen die neu entstandene Spielweise auf und transferierten sie in den südafrikanischen Jazz; später entstand aus ihr der Cape Jazz.

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Das Wort kwela stammt aus dem isiZulu und bedeutet „hinauf“, wurde aber als „kwela- kwela“ auch für Polizeiautos verwendet. Damit wird einerseits eine Einladung zum Tanz verbunden, aber auch eine Warnung vor Polizeirazzien in den illegalen Schanklokalen. Milord benutzt auch den Kwela Loop! In Deutschland wurde das dann zu: „Da hat das rote Pferd sich endlich umgegehrt…“

Milord
I-IV-I-V
Milord 3 b3 3 .. / 6 5 3 5 6 b7 /3 5 1 3 Teach your children

Das ist der Fetenknallerloop, alle schunkeln mit und singen das stundenlang. Dabei klingt es aber weniger nach Popmusik, nur die Melodietöne machen den Song bluesig (später mehr davon) ansonsten bleibt der Loop eher klassisch dem althergebrachten Kadenzgefüge ver- haftet, nur die doppelte I wird durch eine kleine Umstellung vermieden, aber schon funkti- onierts als Loop.

Sweet Home Alabama
V IV / I / I
Hier erkennen wir sofort die Blues und Rocktypische V-IV Folge. V-I wir ganz vermieden, deshalb macht es nichts, wenn wir 2 Takte auf der I verweilen. Ein Klassiker unter den ro- ckigen Loops.